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Freiburg: Pastoraltheologe Michael Felder über den Begriff Sünde   

Freiburg i. Ü., 9.2.10 (Kipa) Ob Romanfiguren wie Harry Potter oder Endabrechnungsfilme à la Armageddon: Das Böse hat einen festen Platz in der Unterhaltungsindustrie. Den Kampf zwischen Gut und Böse, meint Michael Felder, Professor für Pastoraltheologie, Religionspädagogik und Homiletik an der Universität Freiburg (Schweiz), "sollte die Kirche nicht Hollywood überlassen".

"Sünde ist, wenn der Mensch hinter seinem Niveau zurück bleibt", bringt Felder den Begriff in heutige Worte. Dass es im kirchlichen Bereich in den letzten Jahrzehnten eine "Sprechpause" zum Thema Sünde gegeben hat, sieht er positiv: " Bilder von der früheren kirchlichen Beichtpraxis verdunkeln das positive Menschenbild, das hinter dem Konzept von Sünde und Sündenvergebung steht."

   Die Ruhepause hat die nötige Beruhigung gebracht. Jetzt gelte es aber, die positiven Potentiale des ungeschönten Blicks auf eigene Haltungen und Handlungen wiederzuentdecken. Menschen könnten durch Seelsorge erfahren, dass die Kirche bei dieser Auseinandersetzung "in Gottes Namen radikal auf ihrer Seite steht".

Ventile in der Alltagskultur

In der Gesellschaft ist das Thema ist nach wie vor präsent. Internetforen etwa werden zum Beicht-Ersatz, und auch auf der Leinwand hat das Böse Hochkonjunktur – nicht immer unproblematisch, wie der Pastoraltheologe meint. "Endabrechnungen à la Armageddon sind pauschale Schwarz-Weiss-Malerei und neigen zum Fundamentalismus", so Felder. "Diese Botschaft ist problematisch, denn die Welt ist viel komplexer. Sie ist in Gottes Hand und nicht in einem Endkampf!" Gerade deshalb sollte die Kirche "das Böse nicht Hollywood überlassen".

"Erdbeeren im Januar"

Klassische Sündenkataloge wie die sieben Todsünden haben auch heute noch eine starke Bild- und Aussagekraft, ist Felder überzeugt. Sie decken Grundgebiete ab, die durchaus ins Heute übersetzbar wären. Nicht nur bei dieser Übersetzungsarbeit sieht er die Kirche gefordert. Auch der Umgang der Kirche mit dem Sakrament der Busse müsse überdacht werden. "Im Beichtstuhl bleibt wenig Spielraum für Gesten oder aktive Beteiligung. Das Sakrament als Feier des Glaubens zu erfahren, wird so erschwert."

   Einen entscheidenden Vorteil bietet das biblische Sündenverständnis nach Ansicht Felders: Gelassenheit. Der Grundruf des Christentums ist jener "nach Umkehr zu dem, was eigentlich möglich ist", betont Michael Felder. Aber: "Das ist nur die eine Hälfte der Botschaft. Der zweite Teil lautet ’Das Reich Gottes ist nahe’." Im Gegensatz zum Film, sagt er, ist für uns schon geklärt, auf welcher Seite Gott steht: Auf der Seite des Sünders, der sich das nicht erst erkämpfen muss.

   

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   Hinweis: Der Beitrag ist die gekürzte Fassung eines ausführlichen Hintergrundberichts, der im Kipa-Tagesdienst bezogen werden kann.

   (kipa/ak/job)


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