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Schweiz: Caritas-Direktor warnt vor dramatischer Steigerung der Armut

Hugo Fasel fordert stärkere konjunkturelle Massnahmen   

Lausanne, 29.4.09 (Kipa) Die Armut in der Schweiz erfährt eine dramatische Zunahme. Die Finanzkrise schlägt auf die hiesige Wirtschaft durch. Die wirtschaftliche Lage werde sich weiter verschlechtern, erklärte der Direktor von Caritas Schweiz, Hugo Fasel, am Dienstag, 28. April, vor den Medien in Lausanne. Er erwartet für Ende Jahr 250.000 Arbeitslose.

In wenigen Monaten habe sich die Hochkonjunktur in eine tiefe Krise verwandelt. Es handle sich dabei um die grösste wirtschaftliche Schrumpfung seit den 30er Jahren. Darauf sei die Schweiz schlecht vorbereitet, erklärte Fasel an der Medienkonferenz von Caritas-Westschweiz.

   Es fehle an Ausbildungsplätzen und Weiterbildungsmöglichkeiten für Jugendliche. Viele hätten sich gemäss der Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt ausgebildet. Bitterkeit und Frustration präge aber die Situation der Jugendlichen, wenn sie sehen, dass sie am Schluss vor nichts stünden.

Ausstieg aus der Sozialhilfe ist teuer

Fasel kritisierte, die Unternehmen seien zurückhaltend, wenn es darum gehe, Jugendliche einzustellen. Besonders betroffen seien Schüler mit schlechten Schulnoten. Diese würden schliesslich Sozialhilfe benötigen. "Der Weg, um aus der Sozialhilfe auszusteigen, ist mühsam und teuer - Langzeitarbeitslosigkeit hinterlässt tiefe Spuren bei den Betroffenen", erklärte der Caritas-Direktor in Lausanne.

   Fasel rechnet damit, dass in den nächsten drei Jahre die Anfragen bei den Sozialdiensten um fünfzig Prozent zunehmen. Gesamthaft werden dann, die Familienangehörigen eingerechnet, 300.000 bis 350.000 Personen davon betroffen sein.

Blinde Politiker

"Man engagiert sich für die UBS und vergisst die Arbeitslosen, die immer zahlreicher werden", beklagte Fasel. Die Banken würden die politische Szenerie beherrschen, im Bundeshaus bekunde man Mühe zu erkennen, was im Alltag der Menschen geschehe. Die Krise werde in ihrem Ausmass noch nicht wirklich wahrgenommen.

   Ende März waren gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) schweizweit 134.713 Personen als arbeitslos eingeschrieben. Das Seco sage aber nicht, so Fasel, dass Zehntausenden, die Kurzarbeit leisten, auch der Arbeitsverlust drohe. Menschen über 60 hätten heute kaum eine Chance, wieder Arbeit zu finden. Sie seien direkt von Armut bedroht, besonders weil sie auch von der Reduzierung ihrer Arbeitslosenunterstützung betroffen seien.

   Starke politische Massnahmen seien nötig. Der Bund müsse seine Wirtschaftsprogramme verstärken. Fasel lehnt zudem Streichungen bei den Leistungen der Arbeitslosenversicherung und der Invalidenversicherung ab. Letztere müsse aber wieder auf gesunde Beine gestellt werden. Fasel schliesst nicht aus, dass die Mitgliederbeiträge erhöht werden könnten. Er fordert die Solidarität zwischen den Generationen.

Gefragte Caritas-Läden – Abstriche in den Caritas-Ateliers

Jean-Noël Maillard, Direktor von Caritas Jura und Präsident der regionalen Caritasstellen in der Westschweiz, erklärte in Lausanne, in gewissen Regionen wie etwa in La Chaux-de-Fonds NE sei die Arbeitslosigkeit bereits auf 6 Prozent angestiegen (Schweizer Mittel: 3,5 Prozent). Die Krise trifft auch die Caritas-Stellen selber. Diese verbuchen laut Maillard weniger Aufträge für ihre Ateliers. Im Jura seien die Aufträge zwischen Oktober 2008 und Februar 2009 um 2009 um 50 Prozent zurückgegangen.

   In den ersten drei Monaten dieses Jahres hat demgegenüber der Umsatz der Caritas-Läden um 21 Prozent zugenommen. In diesen können nur Menschen einkaufen, die in Notsituationen leben. In der Westschweiz seien seit Jahresbeginn 3.600 neue Kunden registriert worden, was eine Steigerung von 23 Prozent bedeute.

   (kipa/apic/gs/job)


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