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Kardinal Rai: "Christen im Orient sind keine Ausländer"   

Rom, 4.3.13 (Kipa) Die Bedeutung der Präsenz der Christen im Nahen Osten hat der maronitische Kardinal- Patriarch Beschara Boutros Rai - der nach seinem Russland-Besuch in Rom zum Konklave eingetroffen ist - im Gespräch mit "Radio Vatikan" unterstrichen. Christen "müssen vollgültige Staatsbürger" in den Ländern des Nahen Osten sein, so der Kardinal. Von einem Zusammenstoss der Kulturen spricht Rai aber nicht. Der Islam sei in seiner Mehrheit moderat, nicht fundamentalistisch oder integralistisch.

Wörtlich sagte Rai: "Die Christen leben im Orient seit den Zeiten Jesu, also 600 Jahre vor dem Islam! Die Christen sind keine Ausländer, sie haben der Kultur ihrer Länder den Stempel des Evangeliums und der christlichen Kultur aufgedrückt." Wer in den Nahen Osten komme, stelle schnell fest, wie sehr die christliche Kultur das soziale, kulturelle, politische und wirtschaftliche Leben dieser Regionen durchwirke. Sogar die kulturelle und soziale Renaissance im Nahen Osten (`al Nahda`) im späten 19. Jahrhundert sei den Christen zu verdanken.

Er sei sich mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill I. einig gewesen, dass Christen "vollgültige Staatsbürger" in den Ländern des Nahen Ostens sein müssen und eine "grosse Mission für die Welt" haben, unterstrich Rai: "Denn die Christen machen den Islam mit der Realität des Christentums bekannt, eines offenen Christentums, das die menschliche Person, die Menschenrechte und die Grundfreiheiten respektiert. Im Zusammenleben mit den Muslimen übermitteln wir dieses Bild des Christentums. Und von unserer Erfahrung des Zusammenlebens ausgehend machen wir auch den Westen mit der Realität des Islams bekannt".

Islam in seiner Mehrheit moderat

Einen "Zusammenstoss der Kulturen" (clash of civilizations) vermag der Kardinal-Patriarch im Nahen Osten derzeit nicht zu erkennen. Natürlich gebe es politische und wirtschaftliche Probleme, "aber es gibt jedenfalls keinen Konflikt zwischen den Kulturen, weil wir uns in diesem Bereich eher ergänzen". Der Islam sei in seiner Mehrheit moderat, nicht fundamentalistisch oder integralistisch. Leider schüre eine gewisse Politik den Radikalismus und den Fundamentalismus. "Staaten des Nahen Ostens, aber auch westliche Staaten unterstützen integralistische, radikale Gruppen mit Waffen, Geld und politischer Rückendeckung", kritisierte Rai. Und das schaffe Probleme in Nahost.

Auch im Interview mit dem Radiosender "Voice of Russia" bedauerte der Kardinal-Patriarch laut der Stiftung "Pro Oriente", dass es im Nahen Osten Kräfte gebe, die an einer Konfrontation zwischen Sunniten und Schiiten, zwischen radikalen und moderaten Muslimen interessiert seien.

Konflikte im Dialog lösen

Die Christen seien in diese Konflikte an sich nicht involviert, sie könnten aber die ersten Opfer werden. In dem Interview mit dem russischen Sender rief Rai dazu auf, alle Dispute und Konflikte im Nahen Osten ausschliesslich durch Methoden des Dialogs zu lösen.

Zugleich betonte der Patriarch seine Dankbarkeit für die Unterstützung der orientalischen Christen durch die russisch-orthodoxe Kirche und das offizielle Russland. In Moskau sei es möglich gewesen, ein breites Themenspektrum "einschliesslich humanitärer, wirtschaftlicher und politischer Fragen" anzusprechen.

(kipa/kap/gs)


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