
Evangelischer Kirchenbund zum Ja zur "Abzocker-Initiative":
"Es ist nichts gelöst"
Bern, 3.3.13 (Kipa) Das Schweizer Stimmvolk hat am Sonntag die "Abzocker-Initiative" mit 67,9 Prozent deutlich angenommen. Aus Sicht des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) ist damit aber "nichts gelöst", wie dessen Sprecher Simon Weber am Sonntag auf Anfrage gegenüber der Presseagentur Kipa sagte. Den Herausforderungen der Zeit habe man sich damit noch nicht gestellt. Zu diesen zähle die gerechte Verteilung von Einkommen, Ressourcen und Wohlstand.
Das Schweizer Stimmvolk hat am Sonntag die "Abzocker-Initiative" mit 67,9 Prozent deutlich angenommen. In keinem einzigen Kanton wurde die Initiative abgelehnt, wie den vorläufigen amtlichen Ergebnissen zu entnehmen ist. Das Begehren will börsenkotierten Unternehmen Schranken setzen, damit diese keine überhöhten Vergütungen mehr an ihr oberstes Kader auszahlen müssen. Dies soll durch eine Stärkung der Aktionärsrechte erreicht werden.
Weder enttäuscht noch überrascht
Der SEK hatte sich im Vorfeld der Abstimmung kritisch zur Initiative geäussert, gleichzeitig aber betont, dass reformierte Christen gegen Abzockerei seien. Über das Ergebnis sei man beim SEK weder enttäuscht noch überrascht, sagte Weber gegenüber Kipa. Es sei verständlich, das exzessive Spitzenlöhne von der Bevölkerung als Provokation empfunden würden. Dementsprechend sei nun das Abstimmungsresultat ausgefallen.
Der Kampf gegen Abzockerei habe aber von den wesentlichen Problemen abgelenkt, so Weber. Die Herausforderung der Zeit sei eben nicht die Abzockerei, sondern eine gerechte Verteilung von Einkommen, Ressourcen und Wohlstand. Weder die Initiative noch der indirekte Gegenvorschlag hätten als Ziel die "Verteilungsgerechtigkeit" angestrebt, begründet Weber die kritische Haltung des SEK.
Rahmenbedingungen des Wirtschaftens ändern
Man müsste bei den Rahmenbedingungen des Wirtschaftens ansetzen; dazu gehörten etwa internationale Abmachungen, die das Finanzsystem als globales öffentliches Gut schützen, oder internationale Steuergerechtigkeit. Mit der Annahme der "Abzocker-Initiative" sei deshalb "nichts gelöst", so Weber.
Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) hatte auf eine Stellungnahme zur "Abzocker-Initiative" verzichtet. Die SBK nehme nur Stellung zu "Grundsatzfragen", sagte deren Sprecher am 19. Februar gegenüber Kipa. (kipa/arch/bal)
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