
Abt Werlen will innerkirchliche Diskussionen neu entfachen
Einsiedeln SZ, 10.11.12 (Kipa) Alle Getauften und Gefirmten einer Diözese sollten in angemessener Weise in die Bischofsernennung einbezogen werden. Dies schlägt der Einsiedler Abt, Martin Werlen, in der Broschüre "Miteinander die Glut unter der Asche entdecken" vor, die seit Mitte der Woche im Klosterladen erhältlich ist. Auch könne er sich Frauen und Männer, Junge und Alte als befristete Kardinäle vorstellen. Seine Ideen verstehe er nicht als Forderungen, sondern als Ausgangspunkt für eine breite, innerkirchliche Diskussion, schreibt die Neue Luzerner Zeitung am Samstag.
"Es fehlt das Feuer. Wir müssen uns der Situation stellen und dahinterschauen", sagt der Abt gegenüber der Zeitung, angesprochen auf den zahlenmässigen Rückgang von Gläubigen in der katholischen, aber auch in der reformierten Kirche. Viele Gläubige würden die Kirche auf Situationen aufmerksam machen, denen man sich stellen sollte. "Die Probleme seien bekannt. Aber es geschieht wenig in Richtung Problemlösung", so Abt Werlen.
Mit der neuen Broschüre möchte er Ideen präsentieren, wie man das Feuer wieder entfachen könnte. Es sei ein Versuch, verschiedene Kriterien ernst zu nehmen, und einiges sei auch überspitzt formuliert. Der Abt verstehe seine Ideen als Ausgangspunkt für eine breite, innerkirchliche Diskussion. So meint Werlen zum Thema Bischofsernennung: "Eigentlich müsste es für die Kirche im 21. Jahrhundert eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Getauften und Gefirmten der betroffenen Diözese in diesen Ernennungsprozess in angemessener Weise mit einbezogen würden." Der Einsiedler Abt erwähnt die Prozedere in den Bistümern Basel und St. Gallen als mögliches Vorbild. In diesen Bistümern könnten die Katholiken zumindest indirekt die Bischofsernennung mitbestimmen.
Kardinäle mit neuer Sichtweise
Neue Anregungen verspreche sich der Abt auch von einer Öffnung des Kardinalsamtes: "Zum Beispiel könnten für fünf Jahre Menschen aus der ganzen Welt, Frauen und Männer, Junge und weniger Junge in dieses Gremium berufen werden." Wenn sie sich beispielsweise alle drei Monate mit dem Papst treffen würden, könnte dies eine andere Dynamik in die Leitung der Kirche bringen. Solche Kardinäle könnten die Debatte um die Gestaltung der Kirche beleben, weil sie eine andere Sicht einbrächten, als die aktuellen Kardinäle, die eine klassische klerikale Laufbahn machten. Laut Kirchenrecht kann jeder männliche Katholik Kardinal werden, man muss auch nicht Priester sein. In der Praxis werden jedoch nur Priester oder Bischöfe zu Kardinälen ernannt. Für die Ernennung von Frauen müsste das Kirchenrecht geändert werden.
Separat:
Bischofsernennungen in den Bistümern Basel und St. Gallen
Das Domkapitel, zuständig für die Beratung und Wahl des Bischofs, erstellt eine Liste von sechs Kandidaten. Diese Liste wird von einem weiteren Gremium begutachtet und kommentiert. Im Bistum Basel ist dies die Diözesankonferenz, die sich aus Würdenträgern des Bistums und aus Vertretern der Kantone (beispielsweise Regierungsräten) zusammensetzt. Diese Aufsichtsrolle nimmt im Bistum St. Gallen das Katholische Kollegium wahr. Dies ist ein Gremium, welches direkt vom Volk gewählt wird. Sind die Vorschläge überprüft, dann wählt das Domkapitel einen der Kandidaten zum neuen Bischof. Dieser muss anschliessend vom Papst offiziell bestätigt werden. Somit gibt es indirekt in beiden Bistümern ein demokratisches Mitspracherecht bei der Bischofswahl.
(kipa/am)
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