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Was Daniel Kosch, Generalsekretär der RKZ, vom zukünftigen Basler Bischof erwartet

Die Botschaft des Evangeliums auch Nicht-Insidern nahe bringen   

Von Daniel Kosch* / Kipa

Zürich, 28.7.10 (Kipa) Teamfähig, konsensorientiert und sensibel für unterschiedliche Mentalitäten. Das sind einige Eigenschaften, die vom zukünftigen Bischof von Basel als Mitglied der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) erwartet werden. Aus Sicht der der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) soll er zudem bereit sein, mit den Laien zum Wohl der Kirche zusammenzuarbeiten. Als einer der höchsten amtlichen Vertreter der Kirche soll der neue Bischof ferner fähig sein, die Botschaft des Evangeliums auch für Nicht-Insider verständlich zu vermitteln.

Neben der Verantwortung für sein Bistum ist jeder Bischof von Amtes wegen Mitglied der Schweizer Bischofskonferenz, der neben den sechs Diözesanbischöfen und den beiden Territorialäbten auch die Weihbischöfe angehören. Derzeit hat sie zwölf Mitglieder. Sie alle sind gefordert, auf nationaler und sprachregionaler Ebene wichtige Fragen gemeinsam zu klären und jeweils Verantwortung für einzelne Departemente und Ressorts zu übernehmen.

   Teamfähigkeit, Lösungs- und Konsensorientierung, Mehrsprachigkeit und Sensibilität für unterschiedliche Mentalitäten, Kulturen und Situationen der Kirche in den verschiedenen Teilen des Landes sind für diese Aufgaben unerlässlich.

   Erforderlich ist aber auch die Bereitschaft, auf Fachmitarbeitende, Experten und Kommissionen zu hören, sich beraten zu lassen und mit der Arbeit auch Verantwortung so weit wie möglich zu delegieren. Anders können die vielen Aufgaben vom verhältnismässig kleinen Gremium nicht bewältigt werden.

Pastorale Schwerpunkte realitätsnah formulieren

Aus Sicht der kantonalkirchlichen Organisationen und der RKZ, welche für die Finanzierung des kirchlichen Lebens eine hohe Mitverantwortung tragen und die aufgrund ihrer demokratischen Strukturen eine starke Mitverantwortung der Laien in der Kirche ermöglichen, sind folgende Gesichtspunkte von besonderer Bedeutung:

   - Die Bereitschaft, die Mitverantwortung der Laien und der staatskirchenrechtlichen Strukturen zu anerkennen und zum Wohl der Kirche mit ihnen zusammenzuarbeiten;

   - Ein Verständnis von Zusammenarbeit, das von Partnerschaftlichkeit, gegenseitigem Respekt, Vertrauen und von der Offenheit geprägt ist, unterschiedliche Sichtweisen gelten zu lassen;

   - Die Bereitschaft und die Fähigkeit, ausgehend von den Zeichen der Zeit und vom Grundauftrag der Kirche pastorale Schwerpunkte und Zielsetzungen konkret und realitätsnah zu formulieren und zukunftsweisende Vorschläge für deren Umsetzung zu machen;

   - Ein realistisches Verhältnis zum Geld und zur Notwendigkeit, sich mit Fragen des Managements in der Kirche auseinander zu setzen und dabei auch von "weltlichen" Fachleuten für Fragen der Führung, der Planung und der Organisationsentwicklung zu lernen.

Evangelium glaubwürdig vermitteln

In der gesellschaftlichen und medialen Öffentlichkeit wird jeder Bischof nicht nur als Diözesanbischof, sondern auch als höchster amtlicher Repräsentant der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz wahrgenommen. Auch daraus ergeben sich Anforderungen:

   - Eine Sicht der Welt und der heutigen Gesellschaft, die – bei allem notwendigen Realismus und Problembewusstsein – getragen ist vom Vertrauen, dass Gott als Schöpfer und Befreier auch heute in ihr am Werk ist, und von der Bereitschaft, in dieser Welt die Zeichen seiner Gegenwart zu entdecken;

   - Die Fähigkeit, die befreiende und ermutigende Botschaft des Evangeliums und die christlichen Werte glaubwürdig und auch für Nicht-Insider verständlich zur Sprache zu bringen und für die heutige Zeit zu konkretisieren;

   - Die Fähigkeit und Bereitschaft zum ehrlichen und unvoreingenommenen Dialog mit Vertretern anderer Religionsgemeinschaften und Weltanschauungen sowie mit den Repräsentanten anderer Lebensbereiche wie Politik, Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Arbeitswelt;

   - Die Bereitschaft, sich konstruktiv mit den Eigengesetzlichkeiten öffentlicher und medialer Kommunikation auseinanderzusetzen und die dafür notwendigen Kompetenzen zu erwerben.

Ein Mensch mit Stärken und Schwächen

Auch ein Bischof ist zunächst ein Mensch mit Stärken und Schwächen, geprägt von seiner ganz persönlichen Lebensgeschichte. Als Getaufter und Gefirmter ist er sodann Teil des "pilgernden Gottesvolkes", manchmal mutig und zuversichtlich, manchmal ängstlich oder suchend auf seinem Weg mit Gott und zu Gott. Als Theologe, Diakon und Priester ist er drittens Mitbruder und Weggefährte all jener, die in der Kirche als Ausleger und Verkündiger der Guten Nachricht, als Zeugen der tätigen Nächstenliebe und als mit der Feier der Sakramente Beauftragte am Aufbau des Leibes Christi beteiligt sind.

   All dies darf und soll auch in seiner Amtsführung prägend und spürbar bleiben. Gerade in dieser Solidarität mit allen Menschen, mit allen Christinnen und Christen und mit allen, die zum Dienst in der Kirche bestellt sind, kommt sein Amt als Bischof glaubwürdig zur Geltung und kann so einen wichtigen Beitrag zum Aufbau des Leibes Christi und zu einer versöhnten Welt leisten.

   *Daniel Kosch ist Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ), also des Zusammenschlusses der kantonalkirchlichen Organisationen in der Schweiz. Im Rahmen einer Umfrage bei verschiedenen katholischen Experten hat die Presseagentur Kipa Daniel Kosch um einige Überlegungen zum Profil des künftigen Bischofs von Basel gebeten. Es wurde vereinbart, dass er sich auf die Mitverantwortung jedes Bischofs für die gesamtschweizerische Ebene des kirchlichen Lebens beschränkt. Titel, Lead und Zwischentitel seines Beitrages stammen von der Redaktion.

   (kipa/dk/bal/gs)


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