
Forum:
Was erhoffe ich mir von meinem neuen Bischof?
Nicht nur die eigene Brille putzen
Von Angelika Boesch* / Kipa
Bern, 26.7.10 (Kipa) Eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Neuer Bischof des Bistums Basel wird ein katholischer Priester. Ein Mann. Alles andere ist Wunschdenken. Dies schreibt Angelika Boesch, ehemalige Redaktorin des Berner Pfarrblatts, in einem Forumsbeitrag für die Presseagentur Kipa. Kipa hat verschiedene Persönlichkeiten angefragt, ihr Wunschbild des zukünftigen Basler Bischofs in einem Meinungsbeitrag zu skizzieren. Auf Xaver Pfister, Leiter der Informationsstelle der Römisch-Katholischen Kirche des Kantons Basel-Stadt, folgt nun Angelika Boesch.
Der neue Bischof muss nach Vorschrift mindestens 35 Jahre alt und seit mindestens fünf Jahren Priester sein, einen Doktor oder ein Lizentiat in Theologie haben und im Bistum Basel inkardiniert sein.
Das Anforderungsprofil hat sich seit der letzten Bischofswahl nicht geändert. Die Zahl der möglichen Anwärter auf das Bischofsamt ist denn auch entsprechend klein. In den letzten Jahren hat sich die Zahl der Priester drastisch verringert. Die mindestens 35-jährigen und zudem mit einem Doktorat oder Lizentiat in Theologie ausgestatteten Priester müssen mit der Lupe gesucht werden.
Die meisten Priester sind zudem gar nicht mehr wählbar, weil sie zu alt sind. Und vor allem sagen viele der geweihten Seelsorger – ob mit oder ohne akademischen Abschluss - Nein zu einer Wahl in dieses mühselige und meist frustrierende Amt.
Demokratische Wahl hilft nicht weiter
Es ist also illusorisch, irgendwelche Erwartungshaltungen zu haben und zu schüren. Ein Bischof zum Anfassen, ein Intellektueller, ein guter Seelsorger, ein Hirte für alle: reines Wunschdenken. Da nützt es auch nichts, wenn das Bistum Basel, als einzige Diözese weltweit, seinen neuen Bischof (fast) demokratisch wählen kann.
Karl Rahner schrieb 1984 in der "Herder-Korrespondenz": "... im Zweiten Vatikanum ist etwas Merkwürdiges geschehen. Die Kirche wollte in einer vertrauensvolleren, mutigeren und offensiveren Weise sich der heutigen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Situation stellen. Um das zu machen, reflektiert sie natürlich auf sich selbst, putzt, wenn ich das so sagen darf, die eigenen Brillen, und solange sie da rumputzt, sieht sie gerade erst recht nicht das, weshalb sie eigentlich ihre Brille putzte, nämlich, um die anderen Dinge deutlicher, klarer und farbiger zu sehen."
Farbiger sehen
Ich hoffe also, dass die Kirche endlich nicht nur die eigene Brille putzt. Vielleicht gäbe es dann Hoffnung auf einen Bischof, der nicht nur Kircheninterna, sondern auch andere Dinge deutlicher, klarer und farbiger sehen könnte.
Vielleicht wäre dann sogar eine Bischöfin denkbar und wählbar, eine Hirtin für alle. Da braucht es aber tatsächlich, wie das Kapitel zur Vorbereitung der Bischofswahl schreibt, "den Beistand des Heiligen Geistes". Amen.
*Angelika Boesch war von 1994 bis Ende März 2010 Redaktorin des Berner Pfarrblatts. Zuvor führte die engagierte Frau, die der lateinamerikanischen Befreiungstheologie nahe steht, während zwei Jahrzehnten die ursprünglich katholische und heute ökumenische Buchhandlung Voirol in Bern.
(kipa/ab/bal/ak)
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